11 Barrel Aged Gins, die Sie nicht im Supermarkt finden

von Gunar Bodendiek | 26. September 2019

Gin ist seit vielen Jahren eine der beliebtesten Spirituosen. Der Duft der Botanicals, der distinktive Geschmack – Dinge, die einen Gin unverkennbar machen. Das Konzept eines gealterten und im Fass ausgebauten Gins scheint daher auf den ersten Blick abwegig. Wie soll mit so einem Gin umgegangen werden und wo ist er einzuordnen?

Das Besondere an ein einem Barrel Aged Gin, also an einem im Holzfass ausgebauten Gin, ist die Vermählung der typischen Gin-Noten mit der Weichheit oder auch der Rauchigkeit eines Whiskys. Die ohnehin schon große Komplexität des Gins wird durch diesen Vorgang noch einmal wesentlich erhöht. Durch die Lagerung steigt der seltene Barrel Aged Gin zu einer Spirituose auf, die sich gleichermaßen pur, on the rocks oder mit einem Filler hervorragend genießen lässt.

Obwohl das Konzept eines gealterten und im Fass ausgebauten Gins nicht neu ist, entdecken es die Destillerien erst langsam wieder für sich. Während kleine Manufakturen weiterhin ihren Gin in Holzfässern ausbauten, mussten sich vor allem größere Produzenten an die gesteigerte Nachfrage gewöhnen. Der intensive Geschmack des Wacholders, der sich mit der ausbalancierten Intensität der Holzaromen vermählt – das ist ein Konzept, das vor allem bei Barkeepern rund um den Globus gut ankommt. Barrel Aged Gins führen zur Kreation völlig neuer Cocktails und Longdrinks. Selbst erfahrene Ginfreunde sind von den neuen Möglichkeiten überrascht, die der Ausbau von Gin bietet.

Eine Besonderheit der Gin-Lagerung in Holzfässern ist die Dauer des Prozesses. Während Whisky und Rum oftmals über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte lagern, findet der Prozess beim Gin wesentlich schneller statt. Die meisten Varianten sind nur wenige Monate in Kontakt mit dem Holz. Das bedeutet, dass zwar die subtilen Aromen in das Holz übergehen, dennoch bleiben die Tannine, die oftmals für eine unerwünschte Bitterkeit sorgen, dem Destillat fern. Das Ergebnis ist ein weicher und sanfter Gin, der einen gekonnten Flirt mit den Charakteristika eines Single-Malt-Whiskys eingeht.

Selbstverständlich kommt es bei einem solchen Ausbau in großem Maße auf die Wahl der Fässer an. Neben neuen Holzfässern, die zumeist aus französischer oder amerikanischer Eiche bestehen, werden gerne auch solche genommen, in denen vorher über Jahre Sherry, Whisky, Portwein oder Calvados ausgebaut wurde. Die Aromen dieser edlen Tropen gehen dabei zu gewissen Teilen in den gelagerten Gin über und kreieren dadurch völlig neuartige Geschmackskomponenten.

Im Folgenden werden elf Gins vorgestellt, die durch den gekonnten Ausbau und das Aging den Gin-Markt gerade regelrecht revolutionieren. Sie sind noch rar und selbst in guten Bars erst selten anzutreffen. Im Supermarkt um die Ecke lassen sich diese 11 Barrel Aged Gins bestimmt nicht finden.


Breaks Reserve Gin

Breaks Reserve Gin

Den Anfang macht der „Goldjunge“ der kleinen Manufaktur Breaks aus Deutschland. Der fassgereifte Gin ist in streng limitierten Halbliterflaschen erhältlich. Durch die strenge Überwachung des Ausbaus in Eichenfässern kann der ideale Reifezeitpunkt sehr präzise festgestellt werden. Zu den, für Breaks Gin bekannten Noten von Kardamom, Lavendel und Koriander, gesellen sich Vanille und Karamell. Dadurch wird das gesamte Aromabouquet abgerundet. Sämtliche Gins der Manufaktur Breaks werden in kleinen Mengen destilliert und von Hand abgefüllt.


Citadelle Réserve Gin

Dieser Gin ist der Stolz Frankreichs. Als einer der ersten hat Alexandre Gabriel, der Gründer von Citadelle, damit begonnen, seine Gins in Holzfässern zu reifen. Um den Gin perfekt an die Holzaromen anzupassen, wurden drei neue und seltene Botanicals hinzugefügt: yuzu, genepi und bleuet. Eine weitere Besonderheit ist auch, dass der Citadelle Réserve Gin nicht nur in einer Holzfass-Variante ausgebaut wird, sondern gleich in fünf. Der goldene Gin, der nach fünf Monaten in Flaschen abgefüllt wird, ist das Ergebnis eines meisterhaften Blends aus den einzelnen Fässern.


Copperhead Barrel Aged Gin

Das Markenzeichen der kleinen Destille aus Belgien sind die kupferfarbenen Flaschen, die in ihrem Design an die Zeiten der mittelalterlichen Alchimisten erinnert. Der streng limitierte Copperhead Barrel Aged Gin wird in exklusiven Pedro-Jimenez-Fässern ausgebaut. In diesen wurde zuvor über viele Jahre der weltbekannte Sherry im sonnigen Südspanien ausgebaut. Während der dreimonatigen Lagerung nimmt der Barrel Aged Gin von Copperhead viel von der in den Fässern enthaltenen Süße auf. Trotz dieser großen Veränderung verliert der dabei nicht seinen Charakter, der ihn als einen klassischen London Dry Gin auszeichnet. Neben dem klassischen Wacholder treten vor allem die Noten von Orangenschale und Koriandersamen hervor. Diese gehen eine wunderbare Einheit mit der Süße aus den Sherry-Fässern ein.


Dictador Colombian Aged Gin Black

Dieser Barrel Aged Gin ist der Exot in der Liste. Er stammt vom bekannten Rumhersteller Dictador aus Kolumbien. Die große Erfahrung hinsichtlich Reifung und Lagerung haben die Spezialisten der Destille auf einen ganz besonderen Gin übertragen. Die Basis des Colombian Aged Gin Black ist ein reines Destillat aus Zuckerrohr, das bis zu viermal gebrannt wird. Seine außergewöhnlichen Aromen stammen vom Botanicals, die so nur in Kolumbien vorkommen. Die 35-wöchige Lagerung in den ehemaligen Rumfässern sorgt für extrem weiche Noten. Dictador empfiehlt, den Gin on the rocks zu genießen.


Elephant Gin Aged Vintage Limited Edition

Dem äußerst aufwendigen Herstellungsverfahren ist es geschuldet, dass dieser Gin nur streng limitiert verfügbar ist. Destilliert und gelagert wird er im deutschen Hagen. Die Idee zu dieser Spirituose wurde von den Düften und Aromen Afrikas inspiriert. Destilliert wird der Elephant Gin Aged Vintage Limited Edition in einer traditionellen, handgemachten Arnold Holstein Kupferblase. Dieses Verfahren ist besonders schonend, sodass selbst die feinsten Nuancen der 14 verwendeten Botanicals erhalten bleiben. Insgesamt der reift dieser Gin ein volles Jahr, was für diese Art von Spirituose sehr lange ist. Dabei werden drei unterschiedliche Holzarten genutzt, um das Destillat mit möglichst vielen interessanten Aromen anzureichern.


Few Barrel Gin

Dieser amerikanische Gin verheimlicht seine Herkunft nicht. Ganz gezielt wird er wie Bourbon und Rye gelagert, um eine extreme Komplexität zu erreichen. Seine dunkle Farbe ist Zeuge des langen Lagerungsprozesses. Im Antrunk schmeckt das Destillat wie ein klassischer Gin, doch spätestens im Abgang kommen die kräftigen und intensiven Noten durch, die diese Besonderheit zu einer perfekten Symbiose zwischen Bourbon Whisky und Gin werden lassen.


Harahorn Cask Aged Gin

Das Harahorn ist eine Gestalt aus der norwegischen Mythologie. Die Verschmelzung aus Hase und Hirsch ist das perfekte Sinnbild für diesen Cask Aged Gin. Auch er ist eine Verschmelzung unterschiedlicher Welten. Beim Antrunk begeistert dieser skandinavische Gin mit seinen fruchtigen Noten, die stark an Waldbeeren erinnern. Ein ganzes Jahr reift er in spanischen Sherry-Fässern. Das resultiert in einer kräftigen orange-goldenen Note. Die Fruchtigkeit des Harahorn Cask Aged Gin spielt gekonnt mit den rauchigen und nicht zu unterschätzenden Holznoten. Dadurch wirkt der Newcomer balanciert und weich. Der maskuline Charakter macht diesen Gin zu einer Spezialität, die am besten pur oder mit etwas Eis genossen wird.


Koval Barreled Gin

Der Koval Barreled Gin stammt aus dem hohen Norden der USA. Um diesen stilecht zu präsentierten, zeigt sich der gereifte Gin mit einer hohen Trinkstärke von 47 Prozent. In seinem Geschmacksprofil dominieren die bekannten Klassiker Wacholder, Zitrusschalen und Koriander. Für einen besonderen Kick sorgen die Hagebutten, die dem Destillat seinen unverkennbaren Geschmack verleihen. In den hauseigenen Whiskyfässern wird der Gin so lange ausgebaut, bis er die gewünschte Aromentiefe erreicht hat. Sein Charakter spricht sowohl Ginkenner als auch Freunde des Whiskys an.


Kyrö Koskue Cask-Aged Rye Gin

Dieser Gin zielt ganz klar auf Whiskytrinker ab. Im Gegensatz zu herkömmlichen Gins, die als Basis auf einen möglichst neutralen Alkohol setzen, verwendet diese Destille Roggen. Dieser verleiht dem Destillat einen starken und prägnanten Körper, der von handverlesenen Botanicals begleitet wird. Der prägnante Charakter wird durch die meisterhafte Lagerung harmonisch. Durch diesen aufwändigen Prozess entsteht ein Karussell an Geschmacksnuancen. Eine Besonderheit, die es so nur bei Kirö gibt, ist das Finetuning nach Abschluss der Lagerung. Mit destillierter Orangenschale wird dem Barrel Aged Gin der letzte Schliff verliehen.


Lyonel Barrel Aged Gin

Schon jetzt zählt ihn die deutsche Gin-Avantgarde zu den neuen, modernen Klassikern. Dieser Gin traut sich etwas. Über das Glas gebeugt, steigt dem Trinker eine feine und elegante Menthol-Note in die Nase. Ausgebaut wird der Lyonel Barrel Aged Gin in besonders stark getoasteten amerikanischen Eichenfässern. Das verleiht ihm einen stark vanilligen Charakter. Barkeeper schätzen den gereiften Gin aus Thüringen vor allem für innovative und kräftige Cocktail-Kreationen.


Zuidam Zeer Oude Genever 5 Jahre Single Barrel

Den Abschluss macht ein wahrer Klassiker, der sogar als Vorgänger des heute bekannten Gins gesehen werden darf. Der Genever wurde schon vor vielen Hunderten von Jahren in Holzfässern ausgebaut. Diese lange Tradition schmeckt man beim Zuidam Zeer Oude Genever 5 Jahre Single Barrel auf Anhieb. Durch den 5-jährigen Ausbau werden die Aromen besonders komplex, sodass der Genuss zu einem Trinkerlebnis besonderer Art wird. Die jeweiligen Einzelabfüllungen werden aus ausgesuchten Fässern von Hand vom Kellermeister persönlich ausgewählt.